Zauberpflanzen Europas #2: Die Nachtschattengewächse


CC by-sa H. Zell

Der Sommer ist dem Winter gewichen, so wie auch der Tag unabänderlich der Nacht weichen muss. Passend dazu wird in diesem Teil der Artikelserie von ein paar halluzinogenen Vertreterinnen der Nachtschattengewächse berichtet.
Es handelt sich hierbei um starke und symbolträchtige Zauberkräuter, die ihre enormen magischen Kräfte bereits durch ihr fremdartig schönes Äußeres all jenen offenbaren die dafür den richtigen Blick haben.
Diese Pflanzen sind mindestens seit der Antike bekannte „Bestandteile der Hexensalben, lockern die Seele vom Leib und lassen sie, wie es die Walpurgisgeschichten schildern, in der Astralwelt herum flattern. Dieser Familie wurde der Name Nachtschatten gegeben, weil die giftigsten unter diesen Pflanzen der Seele Augen verleihen, mit denen die Schatten oder Schratten der Nacht sichtbar werden.“ 1)Wolf-Dieter Storl – Pflanzendevas S.90-91

 

1. Gemeiner Stechapfel (Datura Stramonium)

1.1 Charakterisierung und Mythologie

gemeinfrei

Als ich vor einigen Jahren damit begann mich mit Kräutern und deren magischer und ritueller Nutzung zu beschäftigen waren meine ersten Lehrer Carlos Castaneda und dessen Meister der Indianer Don Juan Matus.

Dieser Indianer benutzte drei verschiedene Halluzinogene Pflanzen bzw. Pilze um seinem Schüler Carlos Castaneda sein magisches System zu lehren: Peyote (Lophophora williamsii), den mexikanischen Kahlkopf (Psilocybe mexicana) sowie den Großblütigen Stechapfel (datura inoxia). Letzterer ist ein enger Verwandter des hier heimischen gemeinen Stechapfels. Begeistert von diesen Berichten über „Pflanzen als Lehrmeister“ brachten mich Castanedas Bücher nicht nur auf den Weg der Ethnopharmakologie sondern führten mich ein in ein magisches und symbolisches Denksystem dass meine Wahrnehmung bis heute prägt. 2)Carlos Castaneda – Die Lehren des Don Juan. Ein Yaqi Weg des Wissens

Den Stechapfel, den ich nach dieser Schilderung für viele Jahre zu Gunsten von anderen Pflanzen vergessen hatte, sollte ich auf meinen Reisen ganz unverhofft wieder treffen, als ich vor einiger Zeit ein paar Monate auf den kanarischen Inseln verbrachte auf denen dieses Gewächs üppig auf Schutthalden wuchs.

Einige der modernen Freunde dieser Pflanze sind sich sicher dass die indigenen Kanarier (auf Teneriffa auch Guanchen genannt) diese Pflanze in ihren magischen Ritualen benutzten. Christian Rätsch berichtet davon dass sich sorglose Touristen im Stechapfelrausch in alte Zeiten zurück versetzten und sich mit den Altkanariern unterhalten haben sollen. Und das ist nur eine der vielen wahrhaft phantastischen Geschichten die es über den Stechapfel zu erzählen gibt.

public domain

Der gemeine Stechapfel ist ein einjähriges Kraut mit gabelig verzweigten Stängeln. Er kann Wuchshöhen von 50-100cm erreichen. Die Blätter sind unregelmäßig spitz gelappt bis doppelt gezahnt und in etwa so groß wie eine Hand.

Die Pflanze blüht von Juni bis Oktober, während sich die Blütenkrone erst in der Nacht öffnet und dann von Nachtfaltern bestäubt wird. Der süßliche Geruch den sie dabei verströmt wird von manchen Menschen als unangenehm empfunden.

Die Blüte entwickelt sich im Laufe der Zeit zu einer charakteristischen stachligen Kapsel. Wenn deren Reifung abgeschlossen ist öffnet sich diese von oben her und gibt 300 – 500 Samen frei. Die Samen sind schwarz und nierenförmig.

Die ganze Pflanze enthält verschiedene Alkaloide, der Gehalt kann pro Pflanze und Sektion stark schwanken, wobei davon ausgegangen werden kann dass die Samen am potentesten sind. Die Hauptalkaloide sind in „L-Hyoscyamin und L-Scopolamin, daneben kommen Apoatropin, Tropin, Belladonin und Hyoscyamin-N-oxid vor.“

Während die Datura als verbotener Stoff der Kosmetikverordnung zählt, sind die Samen und Topfpflanzen frei verkäuflich.

Der gemeine Stechapfel soll laut einigen Ethnobotanikern im Mittelalter durch fahrende Völker nach Europa gelangt sein. Laut Storl soll ihnen der Igel deshalb heilig sein, weil er stachlig wie ein Stechapfel ist.

Er gibt ebenso eine interessante Sage über den Ursprung der Zigeuner wieder:

„Einst heiratete ein heilkundiger Zauberer eine Frau unter der Bedingung, dass sie ihm ohne Widerspruch gehorche. Ständig war der Mann unterwegs, um den Kranken zu helfen. Einmal kehrte er spät in der Nacht erschöpft von einem Krankenbesuch heim. Er bat seine Frau, ihn am nächsten Morgen rechtzeitig zu wecken, da er einen weiteren Patienten besuchen wollte. Da er aber besonders tief schlief, brachte es die Frau nicht übers Herz, ihn zu wecken, sondern ließ ihn bis Mittag ausschlafen. Dieser Ungehorsam erboste ihn so sehr, dass er sie verfluchte und mit diesen Worten in eine Stechapfelpflanze verwandelte: „Werde nun eine Pflanze, die von Tieren und Menschen gemieden in ihrer Frucht so viele Körner enthält, als du Kinder auf die Welt gebracht hast. Deine Kinder sollen die ganze Welt durchwandern und dich überall hinführen! Hierauf verschwand der Magier, und aus der Frau entstand der Stechapfel, den ihre zahlreichen Kinder mit sich in die Welt führten und überall verbreiteten. Man sagt, die Zigeuner stammen von den Kindern dieses Ehepaares ab.“ 3)Diese Geschichte wurde wiedergegeben wie sie von Storl beschrieben wurde. Die Bezeichnung Zigeuner ist heute etwas umstritten, welche Alternative sich mir als Autor bietet weiß ich nicht. Ich bitte mir dies nach zu sehen.

Christian Rätsch berichtet von einer divinatorischen 4)d.h. hellseherischen Nutzung. Dabei wird eine „Tierhaut wird mit Strichen versehen, von denen jeder eine besondere Bedeutung hat. Auf diese Haut werden 9 bis 21 Stechapfelsamen gestreut und diese durch eine bestimmte Anzahl von Schlägen (9 bis 21) mittels eines kleinen Hammers in Bewegung versetzt. Die Lage der Körner auf oder zwischen den Strichen läßt dann auf Genesung oder den Tod [eines] Kranken schließen. Dasselbe Verfahren wird auch bei kranken Tieren oder um gestohlenes Gut wiederzuerlangen, geübt.“

Seit der frühen Neuzeit wird der gemeine Stechapfel in Europa mit Hexenritualen und Hexensalben in Verbindung gebracht. Außerdem wurden die Samen geräuchert um Böse Geister zu vertreiben.

Neben dem rituellen Gebrauch wurde in Deutschland, sowie einigen anderen Ländern dem Bier Stechapfel beigemischt um eine stärkere narkotische Wirkung zu verleihen.

Darüber hinaus wurden bis hinein ins 20. Jahrhundert die getrockneten Blätter als sog. Asthmazigaretten geraucht.

1.2 Dosierung und Wirkung

Das Kraut der Pflanze wird kurz nach der Blütephase geerntet und getrocknet. Nach vollständiger Trocknung kann es alleine oder in einer Räuchermischung geraucht werden. Wobei gesagt werden muss dass die Dosierung in Räucherpulvern und Asthmazigaretten nicht kalkulierbar ist.

Ebenso können die Samen gegessen, oder aus verschiedenen Pflanzenteilen ein Sud gekocht werden, wovon aber in der vielfältigen Fachliteratur aufgrund von akuter Todesgefahr abgeraten wird.

Über die Anwendung in einer Flugsalbe wird an anderer Stelle berichtet.

Die Wirkung tritt je nach Wirkstoffgehalt und Konsumform nach ca. 4 Stunden ein, in seltenen Fällen wird von 30min Berichtet

Aufgrund von fehlendem Selbsttest wurden einige Erfahrungsberichte gesichtet, die sich in ihren Schilderungen relativ weit decken. Es wird zunächst von starken Vergiftungserscheinungen, Sehstörungen und Nervosität berichtet. Nach leichtem abklingen der ersten Symptome beginnen lebhafte traumartige Visionen bei geschlossenen Augen.

Im nächsten Stadium beginnen echten Halluzinationen bei offen Augen 5)OEV – Open Eye Visuals, in der Regel sind dies Erscheinungen in Form von Personen die nicht von der Realität unterschieden werden können. Oft wird davon berichtet dass exzessiv Zigaretten geraucht werden die sich später als komplett phantasiert herausstellen. Dieses Stadium der Halluzinationen und irrationalen Handlungen kann über mehrere Tage andauern. 6)https://www.land-der-traeume.de/trip_lesen.php?id=3434
https://www.land-der-traeume.de/trip_lesen.php?id=4240
https://www.land-der-traeume.de/trip_lesen.php?id=4379
https://erowid.org/experiences/subs/exp_Datura.shtml

Neben diesen eher abschreckenden Berichten, erzählt Storl eine eher angenehmere Variante, aber mit recht ähnlichen Symptomen:

Er berichtet von einem Bauer der nach tagelangem Abwägen schließlich Stechapfelsamen kaute, zunächst hatte auch er die typischen bereits erwähnten Vergiftungserscheinungen, doch dann klopfte es an der Tür und eine Gruppe gut gelaunter Wanderer stand davor. Er bewirtete sie mit Speis‘ und Trank, führte allerlei interessante Gespräche und zuletzt tanzte er mit Ihnen. Als sie verschwunden waren und er langsam wieder nüchtern wurde bemerkte er dass das Essen und die Getränke nicht angerührt waren.

Storl bemerkt dazu:

„Nicht jede Kommunikation mit einem Pflanzendeva verläuft so dramatisch wie diese – der Stechapfel ist schließlich der Joker und Trickster unter den Pflanzengeistern“

2. Die Tollkirsche (Atropa Belladonna)

2.1 Charakterisierung und Mythologie

gemeinfrei

Die bis zu 1,5 Meter hohe, mehrjährige Staude hat gerade, verästelte Stengel, längliche Blätter und glockige, braunviolette Blüten in einem fünfzipfeligen, grünen Kelch.

Die Frucht ist anfangs grün, wird aber glänzend schwarz; sie ist etwa kirschgroß und sitzt auf den fünfzipfeligen Kelchen.

Die Tollkirsche blüht zwischen Juni und August. Oft trägt sie zu dieser Zeit schon Früchte. Die Varietät lutea hat gelbe Blüten, gelbe Früchte und einen grünen Stengel. 7)Christian Rätsch – Die Enzyklopädie der Psychoaktiven Pflanzen S.60

Sie trägt unter anderem die Namen Hexenbeere, Hexenkraut, Höllenkraut, Irrbeere, Waldnachtschatten, Uva lupina (»Wolfsbeere«), Uva versa, Walkerbaum, Walkerbeere, Wolfsauge, Wolfsbeere und Wolfskirsche, was schon auf auf ihre große Bedeutung in der Überlieferung und dem Sagenschatz hindeutet. 8)Christian Rätsch – Die Enzyklopädie der Psychoaktiven Pflanzen S.59

Tollkirschen wurden seit dem Altertum als Aphrodisiaka benutzt 9)Christian Rätsch – Die Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen S.59

Der lateinische Name der Tollkrische wird von Atropos 10)griechisch Ἄτροπος „die Unabwendbare“ abgeleitet. Atropos ist die älteste der Moiren, eine der drei Schicksalsgöttinnen in der römischen Mythologie, die über leben und Tod bestimmen. Während ihre Schwester Klotho den Faden des Schicksals spinnt, wird er von Lachesis bemessen. Schließlich ist es Atropos Aufgabe den Faden zu durchtrennen.

Der Beiname „Belladonna“ für die Tollkirsche wurde laut Christian Rätsch erstmals vom italienischen Kräuterbuchautor Matthiolus erwähnt, er erklärte dass sich die Italienerinnen den gepressten Saft in ihre Augen träufelten um durch die Pupillenerweiterung schöner zu erscheinen. Damals galten große schwarze Pupillen zum Schönheitsideal. 11)Christian Rätsch – Die Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen S.59

Später erlangte der Saft der Tollkirsche deshalb in der Augenheilkunde eine große Bedeutung. 12)Der Wirkstoff „Atropin“ wird bis heute von Augenärzten verwendet.

Hildegard von Bingen erwähnt die heidnische Ritualpflanze in folgender Weise:

„Die Tollkirsche hat Kälte in sich, hält aber dennoch Ekel und Erstarrung in dieser Kälte, und in der Erde, und an dem Ort, wo sie wächst, hat die teuflische Einflüsterung einen gewissen Teil und eine Gemeinschaft ihrer Kunst. Und sie ist für den Menschen gefährlich zu essen und zu trinken, weil sie seinen Geist zerrüttet, wie wenn er tot wäre.“

Aufgrund ihrer christlichen Agenda scheint diese Sichtweise nicht sehr verwunderlich, besonders in Anbetracht der damals üblichen Dämonierung aller nicht-christlichen Brauchtümer; die mittelalterlichen Kirchenmänner sahen in der Tollkirsche und dem Bilsenkraut ein Giftgewächs dass von Teufeln und Fledermäusen umflattert wird. 13)Wolf-Dieter Storl – Pflanzengottheiten S.15

Laut Ross Nichols, Gründer des OBOD 14)Orden der Barden, Ovaten und Druiden und Freund von Gerald Gardener 15)Begründer der Wicca-Religion, symbolisiert die Tollkirsche die Zeit um Samhain. Weiterhin sieht er es als wahrscheinlich an dass die keltischen Magier um die Anwendung dieser Pflanze in der Herstellung einer Flugsalbe wussten. 16)Ross Nichols – Das magische Wissen der Druiden S. 225

2.2 Dosierung und Wirkung

Reife Tollkirsche (links)
cc_by_sa_kurt_stüber

Die Blätter werden in freier Natur in den Monaten von Mai bis Juni gesammelt. Sie sollten im Schatten getrocknet werden und dann, wie alle Kräuter, vor Licht geschützt gelagert werden.

Die Früchte werden geerntet wenn sie ganz reif sind, anschließend können diese getrocknet werden. Dabei sollte für eine ausreichende Luftzufuhr gesorgt werden um Schimmel vorzubeugen.

Blätter und Früchte eignen sich als Zutaten für Rauchmischungen (bspw. in Verbindung mit Fliegenpilz oder Hanf).

  • 1-2 frische Tollkirschen bewirken ein bis zwei Stunden nach der Aufnahme leichte Wahrnehmungsveränderungen

  • 3-4 frische Tollkirschen gelten als psychoaktives Aphrodisiakum

  • 3-10 (max!) frische Beeren werden als halluzinogene Dosis genannt

  • 10-20 können bereits tödlich wirken. (Bei Kindern bereits 2-3)

Achtung ist geboten. Bei manchen Menschen können bereits kleinste Mengen zu schweren Zuständen führen.

Weniger gefährlich ist der Gebrauch als Räucherstoff oder Zusatz in Rauchmischungen. 17)Christian Rätsch – Die Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen S.60

3. Schwarzes Bilsenkraut (Hyoscyamus niger)

3.1 Charakterisierung und Mythologie

gemeinfrei

Das Bilsenkraut wird meist zwischen 20 und 80cm hoch (seltener wird auch von über ein Meter hohen Pflanzen berichtet). Die Blätter sind länglich-eiförmig, der Blattrand ist grob buchtig gezähnt.

Es ist je nach Zeitpunkt der Keimung entweder ein oder zweijährig. Die Blüte ist trichterförmig und von weiß-gelblicher Farbe. Auffällig ist das wunderschöne violette Adernetz – in dem sich der Blick für lange Zeit verlieren kann.

Es kann auf Schuttplätzen, auf Ödflächen und am Ackerrand gefunden werden. Der Boden sollte dafür mäßig trocken und Stickstoff reich sein. Die Pflanze liebt sonnige Standorte und generell wärmere Gegenden. Sie ist eher selten auffindbar, weshalb die Pflanze wenn möglich nicht gepflüchkt werden sollte – Saatgut kann problemlos im Fachhandel bezogen werden. 18)Spohn/Golte-Bechtle – Was blüht denn da? S.286

Literarisch interessierten könnte das Bilsenkraut durch Shakespeares „Hamlet“ bekannt sein. Das Gift ‚Hebenon‘19)In the after noone, vpon my secure houre | Thy vncle came, with iuyce of Hebona | http://internetshakespeare.uvic.ca/doc/Ham_Q1/scene/5/#tln-745 mit dem Hamlets Onkel dessen Vater vergiftete wurde als Bilsenkraut übersetzt – auch wenn diese Interpretation umstritten bleibt.

Das schwarze Bilsenkraut ist eine der bekanntesten (Gift-)Pflanzen der Mythenwelt, es spielte sowohl für Kelten als auch für Germanen eine kulturgeschichtlich bedeutende Rolle und wird bis in die heutige Zeit von Hexen für die Herstellung von Flugsalben, zu nekromantischen Zaubern oder als Räucherstoff, verwendet.20)Christian Rätsch – Enzyklopädie der Halluzinogenen Pflanzen S.230

Der Name „Bilsen“ geht offenbar auch eine keltische Wurzel zurück. Die Gallier nannten die Pflanze ‚Bilisa oder ‚Belenuntia‘, als Verkörperung des Sonnengottes Bel oder Belenos.

Der keltische Name verbreitete sich sehr wahrscheinlich zusammen mit dem Kult des Belenos über das ganze heidnische Europa, bis zu den Germanen, den Slawen, Balten und sogar den Römern. Die Skandinavier nannten die Pflanze ‚blyne‘, ‚bulma‘ oder ‚velesa‘. ‚Beleno‘ nannten sie die Spanier.21)Wolf-Dieter Storl – Pflanzen der Kelten S.124

CC by-sa H. Zell

Für die Kelten war das Bilsenkraut eine Initiationspflanze, als Tor in die Anderswelt.22)Wolf-Dieter Storl – Pflanzen der Kelten S.124 Die Druiden die im richtigen Umgang mit psychedelischen Pflanzen unterwiesen waren, konnten damit die Geisterwelt und das Totenreich besuchen. Ebenso wird davon berichtet dass sich kundige Zauberer mit ihrer Hilfe in Tiere verwandeln und durch die Lüfte fliegen konnten.23)Wolf-Dieter Storl – Pflanzen der Kelten S.124 24)Christian Rätsch – Enzyklopädie der Halluzinogenen Pflanzen S.230

Der Kult des Sonnengottes Belenos gelangte genauso wie der Mistelkult zu den Germanen. Das ihm geweihte Bilsenkraut wurde fortan auch von Germanen und den Winkingern genutzt, zu deren heiligsten Pflanzen es zählte. 25)Wolf-Dieter Storl – Hexenmedizin S.60

Es wurde in heiligen Äckern, den sogenannten ‚Bilsengärten‘ angebaut und wurde rituell, magisch und medizinisch verwenden. z.B. zur Divination, für Wetterzauber und auch zur Metwürze.

Darüber hinaus wurde es von nordgermanischen Kriegern beim Schwitzbad verwendet. Ähnlich wie bei Indianischen Schwitzhütten-Zeremonien legte man es zum Verdampfen auf die glühenden Steine wodurch das Bad zu einem, wie Storl es nennt „psychedelisch-erotischem“ Heidenspaß wurde. 26)Wolf-Dieter Storl – Pflanzen der Kelten S.60

Die Wirkungen und Verwendungsweisen dieses Krautes waren zur Zeit der Inquisition bestens bekannt, der alleinige Gebrauch des Krautes genügte bereits um eine Person als Hexe zu überführen. 27)Wolf-Dieter Storl – Hexenmedizin S.60

Mt der Einführung des Bayerischen Reinheitsgebot (1516) wurde der bis dato wichtigste Bierzusatz als solcher verboten und damit in den Untergrund gezwungen. Damit verschwand der psychoaktive Gebrauch und schließlich auch der medizinische Gebrauch von der öffentlichen Bildfläche. 28)Wolf-Dieter Storl – Hexenmedizin S.59-60

3.2 Dosierung und Wirkung

Auch wenn dies bereits mehrmalig erwähnt wurde, bei dieser Art von Hexenkräutern ist es extrem wichtig die richtige Dosierung nicht zu überschreiten. Niemand soll aufgrund der folgenden Informationen dazu überzeugt werden eigenständig Experimente damit zu unternehmen:

Aus der Antike ist bereits sehr gut bekannt, dass sich viele Menschen mit Liebestränken aus Bilsenkraut oder Schierling tödlich vergiftet haben oder „verrückt“ geworden sind. Der Gebrauch sollte deshalb Fachkundigen Ärzten, Schamanen oder Zauberern überlassen werden.29)Wolf-Dieter Storl – Hexenmedizin S.55

Verwendet werden die frischen Blätter, das getrocknete Kraut und die Samen. Kraut und Blattwerk eignen sich zum Bierbrauen, als Zutat für Rauch- und Räuchermischungen oder zum Würzen von Wein oder als Teeaufguss. Die Samen eignen sich eher als Zutat für Räuchermischungen.

Bilsenkrautöl kann durch Kochen von Blättern in Öl gewonnen werden und wird zur äußerlichen therapeutischen oder erotischen Massage verwendet.

Christian Rätsch liefert für chemisch interessierte die folgenden Informationen zur maximalen Aufnahme:

„Die therapeutische Einzeldosis des eingestellten Hyoscyamus (standardisierter Alkaloidgehalt von 0,05%) beträgt 0,5g, die Tagesdosis 1,5 g (maximal 3g)“ 30)Christian Rätsch – Enzyklopädie der Halluzinogenen Pflanzen S.228

4. Bittersüßer Nachtschatten (Solanum dulcamara)

4.1 Charakterisierung und Mythologie

gemeinfrei

Der Bittersüße Nachtschatten erreicht Höhen von 30 – 200 cm. Er hat charakteristische violette Blüten mit einem gelben Staubblatt. Im Spätsommer bis Herbst trägt der Halbstrauch eiförmige Früchte die über gelb nach rot abreifen.31)http://www.botanikus.de/Beeren/Nachtschatten/nachtschatten.html

Die Oberirdischen Teile dieser Pflanze können sich über 8 bis 10 Meter ausbreiten, sie kann sich ebenso kriechend ausbreiten.

Anzutreffen ist der bittersüße Nachtschatten an einer Vielzahl vielen Standorten in gemäßigtem Klima, oft in der Nähe von Wasser an lichten Plätzen. Sie ist oft in Dickichten zwischen niedriger Vegetation anzutreffen. Sie besiedelt alle Höhenlagen bis 2000m.32)http://phytokeys.pensoft.net/articles.php?id=1465

Während sich einige Forscher sicher sind dass der Begriff Nachtschatten vom „Nacht Schaden“ abgeleitet werden kann, also der geistigen „Umnachtung“ die einen Schaden im Gehirn anrichtet.33)http://www.rp-online.de/panorama/wissen/woher-haben-nachtschatten-gewaechse-ihren-namen-aid-1.2287021 Sprechen andere davon dass z.B. der Bittere Nachtschatten den „Nachtschaden“ heilen kann, eine Krankheit die durch einen elbischen Dämon (nächtlicher Alpdämon) ausgelöst wird. 34)Christian Rätsch – Die Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen S.393

Die Germanen nutzen die Pflanze als Narkotikum um die nächtliche Unruhe die durch diesen Dämon ausgelöst wurde zu lindern. 35)Christian Rätsch – Die Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen S.393 Andere Namen dieses Gewächses sind deshalb auch ‚Alfenkraut‘ oder ‚Alpranke‘.

Im magischen Brauchtum spielt die Pflanze ebenso eine gewisse Rolle. So sollen rachsüchtige Personen den Stengel mit dem Namen des Feindes versehen und ihn vor dessen Haustüre legen um einen Rachezauber zu initiieren. 36)Christian Rätsch – Die Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen S.393f

Die bemerkenswerteste Eigenschaft dieser Pflanze ist jedoch die magische Hilfskraft bei allen therianthropischen37)d.h. Tierverwandlungszauber. Von altgr. θηρίον therion „wildes Tier“ und ἄνθρωπος anthrōpos „Mensch“ Zaubern, insbesondere der Lykanthropie – der Verwandlung eines Menschen in einen Wolf. 38)Christian Rätsch – Die Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen S.393

4.2 Dosierung und Wirkung

Früchte des Bittersüßen Nachtschatten
CC by-sa Isidre Blanc

Die Pflanze gilt als ein möglicher Bestandteil von mittelalterlichen Flugsalben und wurde möglicherweise ähnlich dem Stechapfel angewendet.

Da ein Selbstversuch bisher nicht ausgeführt wurde und auch die Literatur zu diesem Thema schweigt kann hier keine verlässliche Angabe über die Dosierung gemacht werden. Sollte sich die Informationslage ändern wird es hier ergänzt.

 

References   [ + ]

1. Wolf-Dieter Storl – Pflanzendevas S.90-91
2. Carlos Castaneda – Die Lehren des Don Juan. Ein Yaqi Weg des Wissens
3. Diese Geschichte wurde wiedergegeben wie sie von Storl beschrieben wurde. Die Bezeichnung Zigeuner ist heute etwas umstritten, welche Alternative sich mir als Autor bietet weiß ich nicht. Ich bitte mir dies nach zu sehen.
4. d.h. hellseherischen
5. OEV – Open Eye Visuals
6. https://www.land-der-traeume.de/trip_lesen.php?id=3434
https://www.land-der-traeume.de/trip_lesen.php?id=4240
https://www.land-der-traeume.de/trip_lesen.php?id=4379
https://erowid.org/experiences/subs/exp_Datura.shtml
7. Christian Rätsch – Die Enzyklopädie der Psychoaktiven Pflanzen S.60
8. Christian Rätsch – Die Enzyklopädie der Psychoaktiven Pflanzen S.59
9, 11. Christian Rätsch – Die Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen S.59
10. griechisch Ἄτροπος „die Unabwendbare“
12. Der Wirkstoff „Atropin“ wird bis heute von Augenärzten verwendet.
13. Wolf-Dieter Storl – Pflanzengottheiten S.15
14. Orden der Barden, Ovaten und Druiden
15. Begründer der Wicca-Religion
16. Ross Nichols – Das magische Wissen der Druiden S. 225
17. Christian Rätsch – Die Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen S.60
18. Spohn/Golte-Bechtle – Was blüht denn da? S.286
19. In the after noone, vpon my secure houre | Thy vncle came, with iuyce of Hebona | http://internetshakespeare.uvic.ca/doc/Ham_Q1/scene/5/#tln-745
20, 24. Christian Rätsch – Enzyklopädie der Halluzinogenen Pflanzen S.230
21, 22, 23. Wolf-Dieter Storl – Pflanzen der Kelten S.124
25, 27. Wolf-Dieter Storl – Hexenmedizin S.60
26. Wolf-Dieter Storl – Pflanzen der Kelten S.60
28. Wolf-Dieter Storl – Hexenmedizin S.59-60
29. Wolf-Dieter Storl – Hexenmedizin S.55
30. Christian Rätsch – Enzyklopädie der Halluzinogenen Pflanzen S.228
31. http://www.botanikus.de/Beeren/Nachtschatten/nachtschatten.html
32. http://phytokeys.pensoft.net/articles.php?id=1465
33. http://www.rp-online.de/panorama/wissen/woher-haben-nachtschatten-gewaechse-ihren-namen-aid-1.2287021
34, 35, 38. Christian Rätsch – Die Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen S.393
36. Christian Rätsch – Die Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen S.393f
37. d.h. Tierverwandlungszauber. Von altgr. θηρίον therion „wildes Tier“ und ἄνθρωπος anthrōpos „Mensch“

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